Island
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Länderinfo:Flagge
Hauptstadt: Reykjavik
Größe: 103.125 qkm
Einwohner (2009): ca. 319.000


* Allgemeines
* Die Hauptstadt und die Halbinsel Sneafellsnes
* Beim Entdecker Amerikas, siedendheiße Quellen und erste Wasserfälle
* Halbinsel Vatsnes und Mückensee
* Wale, Delfine und der größte Wasserfall Europas
* Kaffee und Pfannkuchen
* Der Megagletscher
* Schwarze Strände und endlich Papageientaucher
* Kontinentalgraben, Geysirdusche und der schönste Wasserfall
* Dorfidylle und Islands Ballermann
* Was sonst noch? Kleine Tipps für Island
* Literatur, Karten und Film
* Fotogalerie und Fotoshow


Allgemeines

Reisetermin: 02. - 16.08.2009 (15 Tage)
Organisation: selbst
Flüge: Icelandair (über Natur-Pur-Reisen, Freiburg)
Autovermietung: National Car Rental (Reykjavik, über Natur-Pur-Reisen, Freiburg)
Unterkunft: 12x Jugendherbergen (Familienzimmer) und 2x Gästehaus (privat) - vorgebucht über Natur-Pur-Reisen, Freiburg
Mitreisende: Frau und Tochter (4)
Wetter: meist sonnig, im Schatten 11-16 Grad, in der Sonne deutlich wärmer. Insgesamt nur 3 oder 4 halbe Regentage.
Streckenlänge: 3353 km

Vor Jahren schon geplant musste die Islandtour aufgrund unserer kleinen Tochter (4) ein wenig geändert werden. Obwohl Island auf den ersten Blick kein Ziel für Familien mit kleinen Kindern zu sein scheint, stellt sich doch bei genauerer Betrachtung heraus, dass die Insel sehr wohl geeignet ist, Groß und Klein neue und aufregende Erlebnisse zu bescheren. Wichtigstes Argument waren die überall vorhandenen Freibäder. Durch heiße Quellen auf mindestens 35 Grad temperiert (für Erwachsene bis zu 42 Grad) war hier ein Baden bei jedem Wetter und an jedem Tag möglich. Ferner plante ich in die Route keine allzu langen und anstrengenden Wanderungen ein - zum Glück gab es auch nahe der Straßen genug zu entdecken. Letztendlich hoffte ich, dass sie durch die Übernachtungen in den Jugendherbergen eventuell andere Kinder zum Spielen am Abend finden würde - was auch 3x der Fall war.Kunst im Hafen Reykjaviks
Bevor ich das günstigere Angebot von Natur-Pur-Reisen mit der Kombination Flug-Mietwagen-Jugendherbergen fand, schien die Variante Fähre-eigenes Auto-Gästehäuser die kostengünstigste Reisemöglichkeit. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich froh bin, nicht mit dem eigenen Auto gefahren zu sein... Ich kann das auch Niemandem empfehlen, da selbst für die Hauptsehenswürdigkeiten lange Schotterstraßen gefahren werden müssen, die jeden Unterboden und eventuell vorhandene Spoiler ruinieren.
Zu empfehlen ist auch eine frühe Buchung (wir buchten schon im Februar), da sowohl Gästehäuser als auch Jugendherbergen - besonders im Norden und Nordosten nur sehr begrenzte Kapazitäten haben. Wir trafen eine Familie, die erst im Mai gebucht hatte und deren Übernachtungen dann soweit auseinander lagen, dass zum Teil sehr lange Strecken gefahren werden mussten.
Sehr angenehm ist der kurze Flug nach Island: in nur 3 1/4 Stunden erreichten wir den 50km von der Hauptstadt entfernten Flughafen Keflavik, wo wir unseren VW Polo 1,4 übernahmen und gleich die erste Jugendherberge ansteuerten.

Die Hauptstadt und die Halbinsel Sneafellsnes ( 283 km + 207 km)
Nach der ersten Übernachtung in einer Jugendherberge seit Jahrzehnten machten wir uns auf den Weg durch eine wahre Lavamondlandschaft in die Hauptstadt der Insel: Reykjavik. 60% der Isländer leben in dieser überschaubaren "Klein"-Stadt mit einer netten Fußgängerzone, schönem Blick vom JH StykkisholmurHafen auf die Gebirgszüge der nördlich anschließenden Halbinsel und einer alles überragenden Hallgrimskirkja. Diese 1986 eingeweihte Kirche mit ihrem 73m hohen Turm liegt auf einem der zahlreichen Hügel und überragt die Stadt. Der Turm erinnert an gewaltige Basaltsäulen, wie wir sie im Laufe der Tour noch oft sehen würden. Innen beeindruckt die 15m hohe und 25t schwere Orgel im ansonst recht kahlen Gewölbe. Ein weiteres Highlight der Hauptstadt ist der "Perlan", ein gewaltiger Wasserspeicher hoch über der Stadt mit fantastischem Ausblick.
Entlang des ersten Fjordes, dem Hvalfjördur, fuhren wir gen Norden und erreichten bei Ytri-Raudamelur unseren ersten richtigen Krater incl. Mondlandschaft mit zahllosen - mit Moosen überwachsenen - Lavabrocken. Noch grandioser waren die Lavafelder am Graakula-Vulkan, der schon auf der Halbinsel Snaefellsnes liegt.
Die Übernachtungen in der sehr kleinen JH Stykkisholmur sind nicht weiter erwähnenswert (58 Betten und 2 Bäder!). Ganz im Gegenteil zur Halbinsel, die auf relativ engem Raum ein Island im Kleinformat abbildet. Hier sahen wir unseren ersten Gletscher auf der Insel (Snaefellsjökull), Krater und Vulkane, Mondlandschaft und Strände, Vogelfelsen und Leuchttürme, kleine Fischerorte und winzige Schwimmbäder mit Hot pots.
Unsere Fahrt verlief entlang der Nordküste nach Westen über Grundarfjördur, wo gerade ein Kreuzfahrer angelegt hatte bis nach Öndverdarnes an der Westspitze der Halbinsel. Hier gab es einen wunderbaren Muschelsandstrand, eingerahmt von mächtigen Lavafelsen. Auf den Saxholsbjarg-Klippen nisteten Tausende von Seeschwalben in den steilen Felsen und der Blick auf den Gletscher wurde bei abziehenden Wolken immer großartiger.
Nach der 2. Übernachtung in der JH Stykkisholmur sahen wir uns noch die bemerkenswerte Kirche (1987) des Städtchens an, die nicht nur durch ihre gewagte Architektur, sondern auch durch das ungewöhnliche Altarbild (Maria als Schneekönigin?) auffällt.

Beim Entdecker Amerikas, siedendheiße Quellen und erste Wasserfälle (215 km + 272 km)
Auf der Fahrt nach Osten besuchten wir Eiriksstadir, den Ort, wo Leif Eriksson, der Entdecker Amerikas (um 1000 n.Chr.) und sein Vater Erik der Rote einst gelebt hatten. Im naturgetreu restaurierten Wohnhaus, das von außen einem Moosberg glich, gab es eine Führung durch eine junge waschechte Wikingerin in zeitgenössischer Kleidung. Alle Gegenstände durften ausdrücklich angefasst werden: Streitaxt und Schwert, Schild, Klamotten zum Anziehen, Trinkhorn und Felle usw. Sehr spannend für unsere kleine Tochter...Hotspring
Von der JH Saeberg aus, wunderschön an einem Fjord gelegen, machten wir am folgenden Tag einen Ausflug gen Süden. Auf dieser Tour bestiegen wir über endlose Treppen den ersten Krater, den Grabrok (3000 Jahre alt und 173m hoch). Weiter ging die Fahrt zu den Deildartunguhver-Quellen, bis zu 100 Grad heiße Thermalquellen die sich auf fast 500m Länge zischend und dampfend in der Landschaft erstrecken. Das Wasser wird teilweise über eine Rohrleitung bis nach Akranes geleitet, wo es dann immer noch eine Temperatur von 73 Grad hat.
Im weiteren Verlauf der Tour erreichten wir noch zwei herrliche Wasserfälle: Hraunfossar ("Lavafälle") und Bjarnafoss. Die Lavafälle kommen unter der dicken Lavaschicht hervor und fließen auf 1000m Breite in den Fluss. Ein malerischer Anblick - im Gegensatz zum reißenden und wilden Bjarnafoss. Zum Abschluss entspannten wir uns in den warmen Becken des Schwimmbads Husafell. Hier startet eine der vielen Hochlandpisten (F 578), die leider nur mit Geländewagen zu befahren sind - vielleicht ein ander Mal...

Halbinsel Vatsnes und Mückensee (306 km + 204 km)
82km auf Schotter standen uns bevor, als wir zur Tour um die Halbinsel Vatsnes starteten. Dieser Vormittag war leider recht regnerisch, doch der 15m hohe "trinkende Dinosaurier" inmitten des Atlantik war dennoch eindrucksvoll. Es handelte sich um den Basaltfelsen Hvitserkur, der einem Dino ähnelt, aber vor allem Vögeln als Brutstätte dient. Die einige Kilometer weiter liegende Festung Borgarvirki aus dem 10. Jahrhundert war nicht weiter sehenswert, da nur mit viel Fantasie noch eine von Menschen geschaffene Anlage zu erkennen war. Die Mauern wurden aus natürlichen Basaltsäulen gebildet.
Interessanter wurde es wenig später in Vidimyri. Hier steht die schönste erhaltene Torfkirche Islands (1834), die Vidimyrarkirkja. Im Inneren dieses winzigen Schmuckstücks probten gerade 3 junge Isländer für eine Hochzeit, eine schöne Zugabe zur Besichtigung. Noch mehr Torf gabs in Glaumbaer zu sehen: dieses Torfmuseum besteht aus mehreren miteinander verbundenen, unter einer dicken Torf- und Grasschicht verborgenen Häusern, von denen eigentlich nur die Fronten zu sehen sind. Durch enge Gänge konnte man diese noch bis 1947 bewohnte Anlage besichtigen.
Nach einer Übernachtung in Akureyri, der "Perle des Nordens" und zweitgrößter Stadt Islands, lautete unser nächstes Ziel: Myvatn, der wunderschöne "Mückensee" im Norden der Insel. Auf der Strecke lag zuvor noch der "Wasserfall der Götter", der Godafoss. Wenn auch nur 2x 12m hoch ist er doch imposant und hat eine lange Geschichte hinter sich. Um 1000 n. Chr. bei der Christianisierung der Insel wurden hier die alten Götzenbilder versenkt.
Von hier aus war es nicht mehr weit zum Myvatn, dem einzigen Ort unserer Reise ohne Jugendherberge. Wir übernachteten 2x in einem privaten Gästehaus.
Rund um den See liegen grandiose Sehenswürdigkeiten, die bei keiner Islandtour fehlen sollten:Solfataren am Namafjall
Das Highlight sind sicher die Solfataren Hverir am Namafjall. Auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern blubbern, dampfen und - vor allem - stinken die Schwefeltöpfe. Es kann einem regelrecht übel werden beim Anschauen der Löcher mit der schwarzen Brühe. Zwischendurch pfeifende Hügel und kleine Löcher im Felsen, die an Teekessel erinnern, sowie eine Farbenpracht auf den Felsen, die von Gips/Kieselsäure (weiß), Eisensulfid (blaugrau), Eisenoxid (rot) und Schwefel (gelb) herrührt. Alles in allem ein grandioses Naturschauspiel.
Nach einem kurzen Abstecher zum Vulkan Krafla mit seinem geothermalen Kraftwerk und den durch Dampfexplosionen entstandenen "Pseudokratern" Skutustadir direkt am Myvatn-See sah ich mir den Lavaformationsirrgarten Dimmuborgir ("düstere Felsen") an, während meine Frau und Tochter im Naturbad Myvatn schwimmen gingen.
Ein weiterer Höhepunkt war die Besteigung des 452m hohen pechschwarzen Kraters Hverfjall. Er entstand vor nur 2500 Jahren und sieht mit seiner perfekten Form wunderschön aus. Der Ausblick von oben ist fantastisch, während der Aufstieg zwar anstrengend, aber in nur 12 Minuten zu bewältigen war.

Wale, Delfine und der größte Wasserfall Europas (245 km)
Die Tagestour um die Halbinsel Tjörnes im Norden Islands begann nach kurzer Fahrt vom Myvatn aus am Strand bei Husavik. Von hier hat man einen tollen Blick auf den Fjord und die vorgelagerte Insel Lundey, die Heimat für 200.000 Papageientaucher und Küstenseeschwalben. In Husavik, der alten Walfänger- und heute Walbeobachter-Stadt sahen wir uns zunächst die Husavikurkirkja von 1907 an, eine nette kleine Kirche direkt am Hafen. Das folgende Whalewatching wurde dank eines Stempels der JH Akureyri 25% billiger, so dass wir 3 "nur" noch 72 Euro zahlen mussten. Um 12.30 Uhr lief unser Boot in die Skajalfandi-Bucht aus, deren wunderschöner Hintergrund durch die Bergketten Kinnar- und Viknafjöll gebildet wird. Die Garantie, dass bei fehlenden Walen die Tour am nächsten Tag kostenlos Husaviks Hafenwiederholt werden durfte, hätten wir nicht in Anspruch nehmen können - aber es kam anders. Mehrere Minkwale taten uns den Gefallen und zeigten Rücken, Rücken- und Schwanzflossen. Weitaus spektakulärer war dann der Auftritt mehrerer Delfine, die im Formations"flug" durchs Wasser unter dem Boot durchschossen und an der anderen Seite aus dem Wasser sprangen. Eine richtige Show... Unsere ersten Papageientaucher in Aktion sahen wir auch hier. Diese winzigen traurig schauenden Vögelchen landeten auf dem Wasser, tauchten dann blitzschnell unter und verschwanden dann mit ihrer Beute. Nach 3 Stunden auf See genehmigten wir uns im Hafen noch einen Kaffee, bevor es über die schlechteste Straße der gesamten Tour zum größten Wasserfall Europas weiterging: dem Dettifoss. Der Fluss Jökulsa stürzt hier 45m tief in eine wahre Höllenschlucht - ein grandioses Spektakel. Die Rückfahrt zum Myvatn führte uns durch eine Mondlandschaft, die der auf den Apollo-11-Bildern aufs Haar gleicht.

Kaffee und Pfannkuchen im Hochland (355 km)
Die höchstgelegene bewirtschaftete Farm Islands war unsere erste Station auf dem nun folgenden Weg nach Osten. Ein kleines Kaffee, eine Kirche, eine Tankstelle und ein großer Campingplatz (der ein Eldorado für Biker zu sein schien) waren alles, was es hier in 469m Höhe zu sehen gab. Weiter ging es durch eine Landschaft, in der es nicht einmal die sonst überall anwesenden Schafe gab - nur eine endlose Geröllwüste. Faszinierend in ihrer Einsamkeit und Stille und völlig frei von Menschen.
Die 2. Station in der Einsamkeit war der Hof Saenautasel, im Reiseführer extra erwähnt, weil es hier Kaffee und Pfannkuchen gibt. Das Wetter hatte sich ziemlich verschlechtert und wir waren froh, als wir die Tür dieses malerischen kleinen Hofes öffneten und in dem langgestreckten Raum auf eine ebenso lange Kaffeetafel schauten. Davor standen Bänke belegt mit weichen Fellen, an den Wänden Islandhaus mit Pfannkuchenunzählige selbstgestrickte Pullover und Schals zum Verkauf, dazu ein paar Sessel, in denen 2 junge Frauen saßen - aus Deutschland und Österreich, wie sich später herausstellte. Sie arbeiteten hier für ein paar Monate - die Deutsche stammte sogar aus meiner Heimat. Während die Österreicherin für uns Pfannekuchen machte, sprachen wir mit der Deutschen über ihre Erfahrungen in Island, über Menschen, Bräuche und die Wirtschaftskrise. Es war ein interessantes Gespräch, abgerundet von einer Führung durch den benachbarten Torfhof von 1832, der sogar heute noch im Sommer bewohnt wird. Zu den dort vorrätigen isländischen Spezialitäten wie eingelegtem Schafskopf ließen wir uns allerdings nicht überreden...
Wir blieben einige Stunden und genosse die Gemütlichkeit an diesem wunderbaren Ort.
Die Nacht verbrachten wir in der sehr alten JH Berunes - laut Herbergsvater im besten Zimmer des Hauses.

Der Megagletscher (356 km)
Entlang des Altafjordes, dem südlichsten der Ostfjorde, führte uns die "1" entlang der Küste zum nächsten Highlight der Tour, dem größten Gletscher Europas: der Vatnajökull. Auf einer Fläche von 8300 qkm, der drittgrößten Eisfläche der Erde, liegt eine bis zu 1000m dicke Eisschicht. Diese Dimensionen lassen sich vom Boden kaum erahnen, hierzu bedarf es schon eines Satellitenbildes aus dem All um diese Größe auch nur annähernd einschätzen zu können.
Zur Einstimmung besuchten wir die kleine Kirche von Bjarnaries, die einem Eistunnel nachempfunden ist. Danach stand eine der Gletscherzungen des Vatnajökull auf dem Programm. Die erste - Hofsjökull - konnten wir mit dem Polo leider nicht erreichen, da der Wasserstand des abfließenden Gletscherwassers zu hoch war.Gletscherzunge
Beim Flaajökull hatten wir mehr Glück. Über eine furchtbar schlechte Straße kamen wir bis auf einen einstündigen Fußweg an die imposante Gletscherzunge heran. Der Spaziergang wurde zur Wanderung - zum Glück hielt unsere kleine Tochter gut durch. Wir kamen zwar nicht direkt ans Eis, aber doch recht nahe heran. Es war totenstill hier - und wunderschön.
Eis zum anfassen gab es dann einige Kilometer später - an der engsten Stelle zwischen Gletscher und Atlantik. Hier liegt der einmalig schöne Gletschersee Jökulsarlon - von weitem allerdings schon erkennbar durch einen großen prall gefüllten Parkplatz. Doch die Touristenmassen tun der Schönheit dieses Ortes keinen Abbruch - zu majestätisch schwimmen die kleinen und großen Eisblöcke auf dem klaren eiskalten Schmelzwasser des Vatnajökull. Ein wunderbarer Ort, der 2002 für 3 Minuten Schauplatz des James-Bond-Streifens "Stirb an einem anderen Tag" war.
Letztendlich mussten wir uns von diesem grandiosen Anblick losreißen und erreichten nach 356 km, dem isländischen Tagesrekord, die JH Hvoll.

Schwarze Strände und endlich Papageientaucher (206 km)
Über zahllose Gletscherflüsse hinweg fuhren wir an der Südküste entlang Richtung Südwesten. Ein mächtiger verbogener Brückenpfeiler erinnert am Fluß Nupsvötn daran, wie 1996 eine gigantische Flutwelle sämtliche Brücken und Straßen südlich des Vatnajökull hinweggerissen hat. Im September brach ein Vulkan unter dem Gletscher aus, riss die 500m dicke Eisschicht weg und schleuderte seine Asche und seinen Dampf in die Luft. Erst im November, als alles schon überstanden zu sein schien, brach das Wasser des geschmolzenen Eises unter dem Gletscher hervor und bahnte sich seinen Weg in den Atlantik. Beeindruckende Filmaufnahmen im Infozentrum Skaftafell zeugen von diesem grandiosen Naturschauspiel. Monatelang war die Ringstraße unterbrochen...
Im Kontrast zu diesen gigantischen Naturgewalten steht in Nupsstadur die kleinste Grassodenkirche Islands: 6 x 2,5m groß bietet sie Platz für 35 Menschen und wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Auf dem Rückweg zu unserer JH Hvoll durchfuhren wir die Skeidararsandur, eine schier endlose Schotter- und Lavaebene, durchzogen von Papageientaucherunzähligen Flußläufen, die das Gletscherwasser in den Atlantik führen.
Weiter gen Südwesten erreichten wir am nächsten Tag Vik, ein winziger Ort mit pechschwarzem Strand, von wo aus man nicht nur die markante Felsformation Reynisdrangar sehen, sondern auch prima Steinmännchen bauen konnte. Unser eigentliches Ziel aber war das nahegelegene Kap Dyrholaey mit seinen pittoresken Basaltformationen, dem Strand mit Millionen glattgeschliffenen Kieselsteinen und - das Highlight - die Nistfelsen einer Papageientaucherkolonie. Hatten wir sie beim Whalewatching vor Husavik nur in einiger Entfernung gesehen, kam man ihnen hier bis auf 10m nahe. Es gelangen einige wunderbare Fotos von Start und Landung dieser so traurig dreinschauenden Vögel.
Unser Übernachtungsplatz lag diesmal nur rund 200m entfernt von einem der schönsten Wasserfälle Islands: dem Skogarfoss. Zwar nur 25m breit stürzt er aber 60m in die Tiefe. Eine lange steile Treppe führte uns bis an die Kante dieses Naturschauspiels.

Kontinentalgraben, Geysirdusche und der schönste Wasserfall (249 km)
Der "Goldene Zirkel" im Südwesten Islands gehört zu den Gegenden, die wohl kein Islandreisender verpassen wird. Erster Punkt des Zirkels: Pingvellir. Hier tagte nicht nur um 930 der erste Alpingi (Stammesversammlung) der Isländer (übrigens noch bis 1789), nein, hier sieht man äußerst plastisch, wo die beiden Kontinentalplatten Amerikas und Eurasiens zusammenstoßen und tiefe Gräben bilden. Der beeindruckendste - 9000 Jahre alte - bietet die Kulisse für denAusbruch des Strokkur Alpingiversammlungsort, aber in der Gegend befinden sich noch unzählige andere große und kleine Erdspalten. Mit Wasser gefüllt sehen sie aus wie Eingänge in die Unterwelt - was sie ja auch sind...
Ebensolche Eingänge ins brodelnde Erdinnere sahen wir am 2. Punkt des Goldenen Zirkels: die Geysire. Wobei "Geysir" eigentlich nur der Name der größten isländischen Dampf- und Wasserfontäne ist. Später wurden alle Fontänen auf der Welt als Geysire bezeichnet. Der 8000 Jahre alte "Ur"-Geysir bricht heutzutage leider kaum noch aus - im Gegensatz zu seinem etwas kleineren Nachbarn, dem Strokkur ("Butterfass"). Rund alle 10 Minuten jagt er eine bis zu 30m hohe Wasserfontäne in den Himmel, die meine Tochter und mich - aufgrund eines plötzlichen Windrichtungswechsels und der Erdgravitation - voll erwischte. Glücklicherweise war das Wasser beim Auftreffen auf meinen Rücken nicht so heiß wie ich es mir vorgestellt hatte. So blieb es beim raschen Umziehen im Auto statt der erwarteten Verbrennungen.
Den 3. und letzten Punkt des Zirkels bildet Islands schönster Wasserfall - der Gullfoss. Er stürzt erst 11, dann 70m tief in eine wahre Höllenschlucht und setzt als Hvitar seinen Lauf in den Atlantik fort.

Dorfidylle und Islands Ballermann (242 km)
Nach der Übernachtung in der JH Laugarvatn am gleichnamigen See - das Familienzimmer ist zu empfehlen! - bestiegen wir ein letztes Mal einen malerisch roten Krater mit wunderschönem türkisgrünen Wasser - den Kerid (270x170m groß und 6500 Jahre alt).
Im malerischen Örtchen Eyrarbakki mit seinen 580 Einwohnern erlebten wir - welch glücklicher Zufall - das Dorffest samt Umzug, Flohmarkt, Oldtimerausstellung und selbstgebackenen Kuchen. Besonders letztere sorgten für allgemeine Begeisterung. Da noch etwas Zeit blieb, entschieden wir Eyrarbakkiuns zum Besuch des wohl bekanntesten Ortes Islands: die Blaue Lagune. Unweit von Reykjavik liegt dieser türkisgrüne Tümpel inmitten einer Landschaft, die nur aus schwarzen Lavabrocken zu bestehen scheint. Mittendrin sieht man den Wasserdampf aufsteigen - und natürlich unzählige Autos und Busse. Nachdem wir 23 Euro / Person (Kinder frei) Eintritt bezahlt hatten, wurden wir in der Lagune von stampfenden Bässen empfangen. Ein DJ hockte auf einer künstlichen Insel im Wasser und die Leute standen mit Bier in der Hand drumherum: Islands Ballermann.
Nach einer gefühlten Ewigkeit verschwand dann endlich der DJ mit seiner Stampfmusik und es kehrte ein wenig Ruhe ein, so dass wir den Aufenthalt doch noch genießen konnten. Aber jedes noch so kleine Dorfschwimmbad mit seinen winzigen Hotpots und dampfenden Becken hat mir besser gefallen als dieser heiße Touritümpel, in dem als einzigem (!) Schwimmbad Islands das Fotografieren erlaubt war.


Was sonst noch? Kleine Tipps für Island

Kreditkarte
Die Kreditkarte ist das gängigste Zahlungsmittel Islands. Selbst ein Kaugummi wird damit bezahlt - für uns in Deutschland wohl undenkbar... Nach unserer Rückkehr wurde uns klar, dass wir die gesamte Tour ohne Bargeld hätten bestreiten können. Überall - sei es in Schwimmbädern, auf einem Stadtfest, ja selbst da, wo es keinen Strom gab - wurde die Karte gerne genommen.
Wer mit einem Auto unterwegs ist, ist sogar gezwungen, eine Kreditkarte mitzunehmen (s. Tankstellen).

Tankstellen
Das Tankstellennetz ist relativ dicht, auch in menschenleeren Gegenden. Vielfach sind dort die - den täglichen Bedarf befriedigenden - Tankstellenshops die einzige Möglichkeit zum Einkaufen.
Wichtig zu wissen ist, dass die Shops - anders als in Deutschland - in fast allen Fällen (außer SHELL) nichts mehr mit der eigentlichen Tankstelle (also den Zapfsäulen) zu tun haben. Man bezahlt direkt an den Zapfsäulen - und zwar ausschließlich mit Kreditkarte. Dazu braucht man die - in Deutschland eher unübliche - Geheimnummer der Karte!
Nach der Eingabe der PIN muss man einen Betrag in isländischen Kronen eingeben, für den man tanken möchte. Wer volltanken will, gibt hier einfach einen viel zu hohen Betrag ein, um sicher zu gehen, dass sich die Säule nicht abschaltet bevor der Tank voll ist. Tatsächlich wird natürlich nur der wirklich vertankte Betrag später vom Konto abgebucht. Die Erklärungen im Display der Säule sind fast immer auf Isländisch. Ich hatte Glück, dass bei unserem 1. Tankstopp eine englische Erklärung daneben geklebt worden war.

Kaffeepausen
Obwohl der Kaffee an den Tankstellen nicht sonderlich teuer war, nahmen wir die im Flugzeug (Iceland-Air) ausliegenden Kaffeegutscheine der Tankstellenkette "N1" in Anspruch. Es lohnt sich, in der Sitztasche des Fliegers nach dieser oder ähnlichen Vergünstigungen Ausschau zu halten.

Musik unterwegs
überraschenderweise hatte unser VW Polo in seiner eher dürftigen Ausstattung einen CD-Player. Da wir keine CDs dabei hatten, waren wir musikalisch auf das isländische Radioprogramm angewiesen. Leider besteht es zu 90% aus unverständlichem Gerede (in Deutschland ist es ja eher umgekehrt). Später erfuhren wir, dass die oft weitabgelegen wohnenden Isländer sich nicht so sehr für Musikeinspielungen, sondern viel mehr für Infos aus ihrem Land interessieren. Bei nur 300.000 Einwohner ist die Bevölkerung ja eher so etwas wie eine "große Familie". Etwas Ähnliches erlebten wir Jahre zuvor auch in Namibia, wo der landesweit empfangbare deutsche Sender sogar Kuchenrezepte und Geburtstagsglückwünsche übermittelte.

StraßenzustandBrücke an der Südküste
Der Zustand der isländischen Straßen war schlechter als erwartet. Nicht einmal die "1" (Ringstraße), die Hauptverkehrsader der Insel, ist durchgehend asphaltiert. Auch Straßen zu Hauptsehenswürdigkeiten - wie zum Wasserfall "Dettifoss" - waren zum Teil in katastrophalem Zustand. Hinzu kamen Baustellen, bei denen man über mächtige spitze Schottersteine fahren "durfte". Ein Wunder, dass unser Polo auf seinen 3300 km keinen Platten hatte...
Ich kann keinem raten, mit dem eigenen Auto über die Insel zu fahren. Es altert dort in wenigen Wochen um Jahre.


Literatur:Reiseführer 1

Reiseführer:

Jens Willhardt und Christine Sadler: Island. - 4. Aufl. - Erlangen: Michael Müller Verlag, 2006. - 687 S. mit zahlr. Fotos und Karten
ISBN 3-89953-313-5
Dies ist ein äußerst detaillierter Reiseführer, der keine Wünsche offen lässt. Sehr zu empfehlen!
Reiseführer 2
Sabine Barth: Island. - 2. Aufl. - Köln: DuMont, 1995. - 267 S. mit zahlr. Fotos und Karten
ISBN 3-7701-2818-4
Nur zur ersten Orientierung, zum Teil etwas ungenau.


Karte:
Karte
Island
Maßstab 1:500.000
11. Aufl. - Akranes (Island): Landmaelingar Islands, 2005
ISBN 9979-75-049-9


Film:

IslandFilm
Deutschland: ZDF. - 30 min. (ZDF Reiselust)
ISBN 978-3-8312-5570-2
Sehr knappe Darstellung der Insel mit Schwerpunkten auf Gletschern, Hochland, Snaefelsnes (Haifermentierung) und Steinkunst.

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