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Die folgenden Romane spielen während mehrerer Epochen, sind also Zeitreisen durch die Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende unserer Geschichte.
Hierzu gehören die folgenden Geschichten:
* Anderson, Poul: Die Chroniken der Zeitpatrouille (6 Mio. v. - 1535 n.Chr.) * Mercier, Louis-Sebastien: Das Jahr 2440 (1770 und 2440) * Rosendorfer, Herbert: Briefe in die chinesische Vergangenheit (1000 und 1983) * Walker, Barbara G.: Amazone (ca. 500 v.Chr. und 1992)
Poul Anderson: DIE CHRONIKEN DER ZEITPATROUILLE
Seit der Erfindung der Zeitmaschine wacht die Zeitpatrouille mit zahllosen Büros in verschiedensten Zeitepochen über die Geschichte und greift ein, wenn illegale Manipulationen vermutet werden. Dieses umfangreiche Buch enthält neun Abenteuer des "ungebundenen Agenten" Manse Everard, der für die Zeitpatrouille unabhängig jeglicher Zeitbindung in besonders kniffligen Fällen eingesetzt wird. Jeweils unterstützt von lokalen Agenten der jeweiligen Epoche kümmert Everard sich um verdächtige Geschehnisse in England um 500 n. Chr., Persien um 500 v.Chr., die Entstehung des Mittelmeers (Gibraltar-Fälle) vor 5 Millionen Jahren, Amerika und eine chinesische Entdeckerexpedition um 1280, den 2. Punischen Krieg, die Phönizier in Tyros um 950 v.Chr., die Ostgoten um 330 n.Chr., die römischen Garnisonen am Rhein zur Zeit Vespasians und die Eroberung Mexikos unter Pizarro um 1535. Einige Geschichten sind hochspannend, da sie plastisch vor Augen halten, von welchen "Zufällen" und kleinen Ereignissen die Entstehung unserer heutigen Zivilisation abhängig gewesen ist. Zwei Beispiele: Wie wäre die Geschichte Amerikas verlaufen, wenn die chinesische Expedition um 1280 in ihre Heimat zurückgekehrt wäre? - und - Was hätte es für Europa bedeutet, wenn um 950 v.Chr. Tyros, die Hauptstadt der Phönizier zerstört worden wäre? Lebendiger Geschichtsunterricht im Romanformat.
Poul Anderson: Die Chroniken der Zeitpatrouille München: Heyne, 2001 (Original 1988). - 5. Aufl. - 862 S. (Heyne Science Fiction; 06/05661) ISBN 3-453-11946-0 ab 14 Jahren
Louis-Sebastien Mercier: DAS JAHR 2440
Selten habe ich einen Zeitreiseroman gelesen, bei dem der Abstand zwischen Entstehung und Handlungszeitraum so extrem groß war. Der Franzose Mercier lässt seinen Erzähler fast 700 Jahre durch die Zeit reisen und die Zukunft Frankreichs (u.a.) erleben. Ein ganz erstaunlicher Sprung, könnte man aus heutiger Sicht meinen, denn die einigermaßen glaubhafte Illustration einer so fernen Zukunft für einen Menschen des ausgehenden 18. Jahrhunderts scheint schier unmöglich. Und so werden auch viele Leser enttäuscht sein, wenn sie von Mercier Voraussagen der technischen Entwicklung wie z.B. der Raumfahrt erwarten - er dachte nicht im Traum (!) daran. Stattdessen präsentiert er uns in (zeitgemäß geschwollen wirkenden) Beschreibungen eine ideale Gesellschaft der Zukunft. Im Vergleich zu "1984" oder "Schöne neue Welt" eine geradezu illusorisch positive Utopie. Ich möchte Mercier zugutehalten, dass er sich solch eine perfekte Gesellschaft am Vorabend der französischen Revolution erträumt hat - daher auch der Untertitel des Romans: "Ein Traum aller Träume". Mercier braucht keine Zeitmaschine, ihm genügt ein langer Traum, der nur einmal unterbrochen wird. Für den heutigen Leser ist nur schwer vorstellbar, dass die Welt in 400 Jahren auch nur im entferntesten Merciers Traum gleichen wird. Dennoch möchte ich ein paar seiner "Visionen" anführen, die zum Teil durchaus bedenkenswert sind... - Sprachen, die niemand mehr spricht (z.B. Latein und Altgriechisch), sind abgeschafft. Sogenannte "tote" Sprachen erfüllen keinen Zweck mehr für den Fortbestand der Menschheit. Wichtige Werke in diesen Sprachen liegen nur noch in Übersetzung vor. - Ebenso ist der Geschichtsunterricht stark eingeschränkt, denn "die Geschichte ist die Schande der Menschheit und jede Seite ein Gespinst aus Verbrechen und Torheiten." (Auch hier hat Mercier nicht ganz unrecht...) - Noch heftiger: Alle Bücher, die als "seicht, nutzlos oder gefährlich" erachtet wurden, fielen den Flammen zum Opfer. Mercier sieht jede Literatur, die keinen positiven Effekt hat, als nutzlos an und befürwortet eine gigantische Bücherverbrennung. Aber auch wichtige Werke werden von Überflüssigem und nutzlosem Geschwätz befreit, d.h. gekürzt und neu zusammengestellt. - Und nochmal Zensur: "Man hängte nur noch solche Bilder auf, die geeignet waren, große und tugendhafte Empfindungen einzuflößen." - Jeder Mensch führt eine Art Tagebuch seiner besten Augenblicke im Leben. Zu seinem Begräbnis wird es verlesen (Sieht Mercier hier die heutzutage modernen "Blogs" voraus?) - Im Gesundheitswesen gibt es keine Unterschiede mehr: alle Patienten werden gleich (sorgfältig) behandelt. Extrem teure Behandlungen bezahlt der Staat. - Noch einmal "Gesundheitswesen": "Drei natürlich Gifte haben wir klugerweise abgeschafft - Tabak, Kaffee und Tee." - Eine durchaus löbliche Maßnahme der Zukunft: "Das Gemüse und das Obst war so, wie es die Jahreszeit hervorbrachte, und das Geheimnis, wie man mitten im Winter Kirschen ohne Geschmack wachsen lässt, hatte man vergessen." Mit anderen Worten: Es wurde nur noch Obst und Gemüse der Saison produziert und verkauft, es gab keine Importe mehr aus dem Ausland. Am Ende bleibt zu erwähnen, dass der Erzähler am Ende wohlbehalten wieder im Paris des 18. Jahrhunderts aufwacht, in dem die Rolle der Frau übrigens dieselbe wie im Jahr 2440 zu sein scheint: Hausfrau und Mutter.
Louis-Sebastien Mercier: Das Jahr 2440 Frankfurt: Suhrkamp, 1982 (Original: 1770). - 333 S. (Suhrkamp Phantastische Bibliothek; 50) ISBN 3-518-37176-2 Für Erwachsene
Herbert Rosendorfer: BRIEFE IN DIE CHINESISCHE VERGANGENHEIT
Kao-Tai, Präfekt der kaiserlichen Dichtergilde “Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände”, gelangt mittels einer nicht näher definierten Zeitmaschine aus dem China des 10. Jahrhunderts in das München des Jahres 1983. Als ihm klar wird, dass er sich nicht - wie geplant - im China des 20. Jahrhunderts befindet, findet er Hilfe bei Herrn “Shi-shmi” und Frau “Pao-leng”. Durch den Verkauf seiner mitgebrachten 1000 Jahre alten Silber”schiffchen” ist er finanziell abgesichert und kann ein Jahr lang die Kultur und die technischen Errungenschaften des Westens studieren.  Anfangs noch etwas zähflüssig (Kulturschock) nimmt die Geschichte, die aus 37 Briefen Kao-Tais an seinen Freund Dji-gu im zeitlich fernen China besteht, bald Fahrt auf und zeigt unserer Gesellschaft ihr Spiegelbild, wie es so kristallklar selten zu sehen war. Alleine Kao-Tais Bemerkungen zu den Fernsehgewohnheiten, dem Schul-, Justiz- und Gesundheitswesen sowie dem Weihnachtsfest sind dermaßen treffend, dass sie alleine schon die Lektüre des Buches lohnen. Immer wieder musste ich schmunzeln, wenn Kao-Tai wieder seine zum Teil grotesken Erlebnisse (Oktoberfest...) mit witzigen Kommentaren versah und dabei nie seine Würde als Mandarin verlor. Ein wunderbares Buch, das trotz der Zeitspanne von 1983 bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Herbert Rosendorfer: Briefe in die chinesische Vergangenheit 17. Aufl. - München: dtv, 1992 (Original: 1983). - 274 S. ISBN 3-423-10541-0 Ab 16
Barbara G. Walker: AMAZONE
Antiope, eine kriegerische junge Amazone aus Kleinasien, findet sich nach einem Initiationsritus verwirrt und benommen neben einem amerikanischen Highway des 20. Jahrhunderts wieder. Nach der Abwehr erster Gefahren mit ihrem Schwert lernt sie Ann, eine Journalistin kennen. Die beiden Frauen werden Freundinnen und trotz ihrer Verschiedenheit bereichert eine jede das Leben der anderen ungemein. Kein Action-Roman, sondern eine bissige und manchmal witzige Satire auf die moderne Gesellschaft, die Rolle der Frau und die sogenannte Zivilisation.
Barbara G. Walker: Amazone Frankfurt: Fischer, 1997 (Original: 1992). - 184 S. ISBN 3-596-12566-9 Ab 16
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