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Die folgenden Romane spielen in der Neuzeit, die ungefähr mit der Entdeckung Amerikas (oder auch Luthers Reformation) begann und bis heute andauert. Allerdings habe ich Zeitreisen, die in der Gegenwart spielen, auf einer eigenen Seite plaziert.
In der Neuzeit “ereigneten” sich die folgenden Geschichten:
* Cooper, Susan: Pucks Traum (Gegenwart und um ca. 1600) * Finney, Jack: Das andere Ufer der Zeit (Gegenwart und 1882) * Langer, Siegfried: Alles bleibt anders (Gegenwart und 1920) * Levett, Oswald: Verirrt in den Zeiten (Gegenwart und 1632) * Palma, Felix J.: Die Landkarte der Zeit (ca. 1896) * Schwindt, Peter: Justin Time - das Portal (1908 und 24.Jhd.)
Susan Cooper: PUCKS TRAUM
Der junge, sehr talentierte Schauspieler Nathan reist mit seiner Theatergruppe nach London, um im neu aufgebauten Globe-Theater die Rolle des Puck aus dem “Sommernachtstraum” von Shakespeare zu spielen, quasi am Originalschauplatz. Kurz nach seiner Ankunft kommt er aber mit hohem Fieber ins Krankenhaus – mit Verdacht auf Beulenpest (!). Am nächsten Morgen wacht er wieder gesund auf, befindet sich zu seinem Erstaunen aber nicht mehr im London des Jahres 1999, sondern 40 0 Jahre früher...
Ein spannender Zeitreiseroman für Kinder ab 10 und Jugendliche, der die Leser sehr detailliert nicht nur in die Zeit Shakespears, sondern auch noch gleich in seine Gesellschaft entführt. Vielleicht bringt er sogar dem ein oder anderen die Verse des großen Dichters etwas näher, da die Autorin hier Beispiele für mögliche Hintergründe der Formulierungen liefert. Auf jeden Fall liefert der Roman den Kindern Einblicke in die – gänzlich anderen – Lebensverhältnisse vor 400 Jahren. Dennoch bleibt die Geschichte immer spannend und fesselt alle jungen und auch älteren Leser bis zur letzten Seite.
Positiv ist auch, dass der deutsche Titel sich nicht in der Form bewahrheitet, dass die ganze Zeitreise nur ein Traum war. Stattdessen folgt gegen Ende eine andere interessante Erklärung, die ähnlich schon in Jack Finneys Roman “Das andere Ufer der Zeit” zu finden ist.
Susan Cooper: Pucks Traum Ravensburg: Ravensburger, 2002 (Original: 1999). - 223 S. (Ravensburger Taschenbücher; 52202) ISBN: 3-473-522202-3 ab 10 Jahren
Jack Finney: DAS ANDERE UFER DER ZEIT
Der Roman bezieht sich auf ein Zitat Albert Einsteins, der gesagt hat, dass wir alle Leuten ähneln, die in einem Boot ohne Ruder einen gewundenen Fluss hinuntertreiben. Ringsum nehmen wir die Gegenwart wahr, weiter aber nichts. Die Vergangenheit in den Kurven und Biegungen hinter uns vermögen wir nicht mehr zu sehen. Aber sie ist dort vorhanden... Jack Finney erweitert Einsteins Theorie "ein wenig": Der Mensch ist "irgendwie" in der Lage, das Boot doch zu verlassen, ans Ufer zu treten und querfeldein zu einer der hinter ihm liegenden Biegungen zurückzugehen. In Finneys Geschichte arbeitet die US-Regierung an einem Geheimprojekt, bei dem genau das erreicht werden soll: Menschen sollen - nach intensiver Ausbildung - in vergangene Jahrhunderte zurückgeschickt werden. Si Morley ist einer der Kandidaten, der ins New York des Jahres 1882 entsandt werden soll... Finney gelang hier ein überaus spannender Roman, dessen eigentliche Zeitreise - angelehnt an Einsteins oben erwähnte Vermutung - beinahe "logisch" klingt. Der Autor nimmt uns mit in eine - für ein wenig Geschichtsinteressierte - nicht ganz so fremde Welt, die aber überaus faszinierend geschildert und erlebt wird. Ausgangspunkt der Reise ist übrigens das schon immer geheimnisumwitterte "Dakota" nahe dem Central Park. Hier "lebte" nicht nur Rosemaries Baby, sondern vor seinen Türen wurde auch John Lennon erschossen. Die mir vorliegende Taschenbuchausgabe ist darüberhinaus mit zahlreichen "echten" Schwarz-weiß Fotos des alten New York ausgestattet, sie stammen natürlich "nicht wirklich" von Si Morley... Oder doch?
Jack Finney: Das andere Ufer der Zeit München: Heyne, 1990 (Original: 1970). - 447 S. (Bibliothek der Science Fiction Literatur; 06/80) ISBN: 3-453-04513-0 ab 16 Jahren
Siegfried Langer : ALLES BLEIBT ANDERS
Schlimm genug für Frank Miller, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Doch nicht nur das - er wurde offiziell für tot erklärt! Als ihn nicht einmal seine Verlobte Claire wiedererkennt, verwandelt sich sein rätselhaftes Schicksal endgültig in eine Tragödie.Es ist das Jahr 2008 und Franks langsam zurückkehrende Erinnerungen konfrontieren ihn mit einer unglaublichen Realität: mit einem Dritten Reich, das das Jahr 1945 überlebt hat, mit einer NSDAP, die mächtiger und grausamer ist als jemals zuvor. Über ganz Europa weht die Flagge mit dem Hakenkreuz. Franks Suche nach seiner Identität führt ihn in die deutsche Hauptstadt Germania, erbaut nach den tollkühnen Entwürfen Hitlers und Speers. Nur langsam erkennt der Leser, was wirklich hinter diesem Szenario steckt und wie es mit der Realtität vereinbar ist... Es gibt nur wenige Romane, die das Dritte Reich in der Gegenwart zum Thema haben. Bei "Vaterland" von Richard Harris stehen die Ermittlungen zu einem Kriminalfall im Vordergrund, so dass das Leben im Dritten Reich - wie es heute wäre - zu kurz kommt. In "Alles bleibt anders" ist es leider ähnlich. Die Liebe zu einer Frau und die Technik der Zeitreise reduzieren das Leben im Dritten Reich des Jahres 2008 auf die Merkmale des bekannten Dritten Reichs unter Hitler: Menschenversuche, totale Überwachung, Grausamkeit und Willkür. Hier wurde - wieder - eine Chance vertan.
Siegfried Langer: Alles bleibt anders Stolberg: Atlantis, 2008. - 241 S. ISBN: 978-3-946742-95-4 ab 16 Jahren
Oswald Levett: VERIRRT IN DEN ZEITEN
Oswald Levett nimmt eine angeblich im Kloster Oldisleben gefundene Handschrift aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Grundlage für seinen Roman. Dort wird - ebenso wie in der Stadtchronik von Ansbach - von einem geheimnisvollen Fremden berichtet, der urplötzlich im Jahre 1632 in Ansbach auftauchte und nicht nur seltsam gekleidet war, sondern auch über besondere Kenntnisse verfügte - hinsichtlich der Zukunft und der Technik. Dieser Mann behauptete, er stamme aus dem Jahre 1906 und sei zurückversetzt worden. Levett setzt den Ich-Erzähler des Romans auf die Spur des geheimnisvollen Mannes, auf dessen Vermächtnis er während seiner Recherchen für die Münchener Akademie der Wissenschaften stößt. Mit Spannung verfolgt man nun, wie sich der Zeitreisende in einer für ihn völlig fremden Welt zurechtfinden muss und nach und nach seine Möglichkeiten aufgrund seiner überlegenen Kenntnisse entdeckt - bis hin zur Frage, ob er nicht nur entscheidend in den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges eingreifen (er macht u.a. die Bekanntschaft von Wallenstein), sondern gleich durch die "Erfindung" automatischer Waffen die Herrschaft im Land an sich reißen soll... Im Stil der 1930er Jahre geschrieben, ist die Ausdrucksweise des Autors für den heutigen Leser ein wenig "umständlich", was aber der Geschichte und vor allem der Spannung keinen Abbruch tut.
Oswald Levett: Verirrt in den Zeiten Berlin: Verlag Das neue Berlin, 1984 (Original: 1933). - 174 S. ab 16 Jahren
Felix J. Palma: DIE LANDKARTE DER ZEIT
London 1896: Andrew, ein wohlhabender Fabrikantensohn, reist in die Vergangenheit, um seine große Liebe wiederzugewinnen. Die junge Clarie macht eine Zeitreise aus dem viktorianischen London ins Jahr 2000 und trifft den Mann, den sie in der Zukunft lieben lernte, in ihrer Zeit wieder. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der seine Opfer mit Waffen tötet, die noch gar nicht erfunden wurden... Drei geniale Geschichten, deren Zusammenhang nach und nach klar wird - die aber auch einzeln mit unvorhergesehenen Wendungen faszinieren und fesseln. Ein Fest der Phantasie, in dem der Leser nicht nur Jack the Ripper begegnet, sondern auch H. G. Wells, dem Erfinder der Zeitmaschine, dem eine völlig überraschende Rolle zukommt. Ein fantastisches Buch, das nicht nur mit Spannung, sondern auch mit einem außergewöhnlichen Sprachstil aufwarten kann.
Felix J. Palma: Die Landkarte der Zeit Reinbek: Rowohlt, 2010 (Original: 2008). - 715 S. ISBN: 978-3-463-40577-3 ab 16 Jahren
Peter Schwindt: JUSTIN TIME - DAS PORTAL
Dies ist der 3. Teil einer Zeitreisereihe um den jungen Justin aus dem 24.Jahrhundert, dessen Freundin Fanny von der machtbesessenen Forscherin Portitia Abbadon per Zeitmaschine entführt und im Jahr 1908 im tiefsten Sibirien gefangengehalten wird. Justin folgt Fanny in die endlosen Wälder der Taiga und wird mit allerhand Gefahren konfrontiert, bevor er die junge Einheimische Lena kennenlernt. Sie hilft ihm, nicht nur Fanny wiederzufinden, sondern auch noch bei der Jagd nach Portitia und der Suche nach seinen - ebenfalls in der Zeit - verschollenen Eltern. Nebenbei trifft er noch auf die deutschen Teilnehmer der Rallye New York - Paris, die sich mit ihrem Protos durch die Wildnis kämpfen und bei seiner Rettung auch eine wesentliche Rolle spielen. Und der rätselhafte Einschlag eines “Meteoriten” im Jahre 1908 bei Tunguska wird nun endlich für die Nachwelt entschlüsselt... Insgesamt ist dies eher ein schwächerer Teil der Reihe, da alle Gefahren relativ schnell entschärft werden und das Ende für Teil 4 mehr als offen bleibt. Leichte Unterhaltung für die Zielgruppe 11-14.
Peter Schwindt: Justin Time - das Portal Hamburg: Rowohlt, 2008 (Original: 2005). - 263 S. (rororo rotfuchs; 21395) ISBN: 978-3-499-21395-3 ab 11 Jahren
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