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Das Kadett C Coupe “Skirnir” * (1985-1990)
- Wie es dazu kam - Das Coupe - Motor und Getriebe - Fahrwerk - Elektrik - Sicherheit - Innenausstattung - Geschichte des Opel Kadett C - Literatur - Film - Fotogalerie - Fotoshow
WIE ES DAZU KAM Der erste eigene Wagen sollte etwas Besonderes sein. Mitten im Studium ohne regelmäßiges Einkommen war es gar nicht so einfach, etwas (bezahlbares) Besonderes zu finden. Nach längerer Suche wurde ich am 15.11.1985 in Bad Münstereifel bei "Opel Jonas" fündig. Mein Blick über den vollbesetzten Parkplatz mit zahllosen Gebrauchten blieb sofort an "ihm" hängen: ein hellblaues Kadett Coupe überstrahlte all die anderen Fortbewegungsmittel und ich wusste sofort: dieser oder keiner... 2812 Euro - damals 5500 DM - waren nicht gerade geschenkt für einen 8 Jahre alten Wagen (Baujahr 1977), der allerdings erst 69.106 km gelaufen war. Also quasi ein Garagenwagen. Die Farbe war natürlich gewöhnungsbedürftig und einige Zeit später nahm ich dann auch ein paar farbliche Veränderungen vor, aber zunächst bestach einfach die Form des Wagens: die tolle Form eines echten Coupes, das so ganz anders war als die langweiligen Stufenhecks oder Dreitürer. Am Dienstag, dem 19.11.1985 um 16 Uhr war es dann soweit: der blaue Flitzer konnte abgeholt werden und leistete mir von da an bis zum 18.10.1990 gute Dienste. 97.448 km in knapp 5 Jahren bei einem (damals günstigen) Durchschnittsverbrauch von 7,90 Litern (durchschnittlicher Literpreis: 55,9 Cent!), nie eine echte Panne und stets zuverlässig auch auf langen Strecken habe ich die Jahre in meinem Coupe genossen. Viele Ausflüge - u.a. mehrmals in die Niederlande, nach Berlin und in den Norden - habe ich in diesem Wagen gemacht. Ein paar Fotos finden sich in der Fotogalerie. Besonders 1989 häuften sich dann aber leider die Reparaturen. Während es in den ersten Jahren nur um "Schönheitsreparaturen" ging, folgten später die "Entrostungsaktionen" (z.B. im Kofferraum und an den Seitenschwellern), neue Stoßdämpfer wurden 1987 fällig, die Heckscheibenheizung fiel öfter mal aus und hin und wieder riss ein Kühlerschlauch. 1989 war dann das "Jahr der Reparaturen": Neuer Auspuff, Schweller und Bodenblech schweißen, neue Wasserpumpe und neue Zylinderkopfdichtungen wurden ganz schön teuer. Außerdem wohnte ich mittlerweile in Kiel und für die langen Heimfahrten musste einfach ein schnellerer Wagen her. Letztendlich erhielt ich noch rund 913 Euro (1785 DM) für mein liebgewonnenes Coupe. Ich konnte zufrieden sein, zumal die Seitenschweller erneut Rostlöcher aufwiesen und die nächsten Reparaturen angestanden hätten. Der Tacho stand bei 166.570 km.
DAS COUPE Mit dem typischen Schrägheck und der aerodynamischen Frontpartie (integrierter Frontspoiler) sticht das Coupe aus der Kadett-Familie heraus. Der günstige cw-Wert, das sportliche Äußere und die exzellente Straßenlage boten damals ein völlig neues Fahrgefühl. Auch der geringe Wendekreis von nur 9,95m war bei riskanten Wendemanövern von Vorteil... Der gewöhnungsbedürftigen hellblauen Lackierung habe ich selbst durch dunkelblaue Rallyestreifen vorne, seitlich und hinten eine sportliche Note verpasst. Gegen Steinschlag erhielt der Frontspoiler eine schwarze Schutzlackierung. Zu erwähnen ist an dieser Stelle der für ein Coupe überraschend große Kofferraum. Neben einem vollwertigen Ersatzreifen findet ein ganzes Fahrrad darin Platz! Die Details: Bei einem Leergewicht von nur 790 kg können (mindestens) 365 kg zugeladen werden. In der Länge misst das Coupe 4,15m, in der Breite 1,58m und in der Höhe 1,33m. Ein schönes Detail ist auch das hintere Ausstellfenster. Es sieht sportlich aus und sorgt für gute Durchlüftung. Die vorderen Seitenscheiben sind ungeteilt und voll versenkbar. Die Heckscheibe ist riesig und durch 13 Heizdrähte beheizbar.
MOTOR und GETRIEBE In einem übersichtlichen und leicht zugänglichen Motorraum sitzt das wassergekühlte Viertakt-Vierzylinder-Kraftpaket (Bohrung 79mm, Hub 61mm) mit dem kultivierten Motorlauf. Kaum störender Motorlärm für die Insassen (Stand: 76 dB, Fahrt: 81 dB), weder bei 5400 noch bei der Höchstleistung von 6100 U/min (Leerlauf: 820 U/min) Der Motor verfügt über eine seitlich liegende Nockenwelle, die durch eine einfache Rollenkette angetrieben wird und auf hängende Ventile wirkt, sowie 3 Kurbelwellenlager. Die Kühlung erfolgt durch Wasserlauf mit Flügelradpumpe - thermostatisch geregelt mit Dauerflüssigkeit incl. Frostschutz. Eine großzügig bemessene Motorhaube, vom Fahrersitz aus zu entriegeln, mit stabilem Stützstab, garantiert schnellen Zugriff zu den wichtigen Teilen des Motors. Die Leistung des Motors liegt bei guten 55 PS (40 kw) aus 1187ccm Hubraum, die für 790 kg Leergewicht völlig ausreichend waren und den Wagen auf bis zu 155 km/h beschleunigen konnten (Drehmoment: 80 Nm). Damit ist das Kadett Coupe sowohl sportlich als auch sparsam. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h (0-100 km/h in ca. 20s) liegt der Verbrauch bei 6,1 (90 Km/h), 7,0 (120 km/h) und ca. 8 L im Stadtverkehr. Die Details: - Fallstrom-Vergaser Solex 35 PSI mit Beschleunigungspumpe und manueller Starterklappe - Mechanische Membranpumpe (Kraftstoffpumpe), von der Verteilerwelle angetrieben - Kraftstoff:: verbleites Normalbenzin (91 Oktan) - Tankinhalt: 44 Liter (Kühlsystem: 4,6l, Motor: 2,75l, Scheibenwaschanlage: 1,3l, Hinterachse: 0,65l, Schaltgetriebe: 0,6l und Bremsflüssigkeit: 0,4l) Der Motor bringt seine Kraft über die Hinterräder auf die Straße - ein millionenfach bewährter Antrieb, der bis heute in sportlichen Wagen eingesetzt wird. Im Einzelnen: Beim Hinterachsgetriebe handelt es sich um einen hypoidverzahnten, geräuscharmen Kegelantrieb mit einem Übersetzungsverhältnis von 4,11. Die Übertragung erfolgt durch eine einteilige Rohrgelenkwelle (Kardanwelle). Das Schaltgetriebe ist ein schrägverzahntes, voll- und sperrsynchronisiertes Zahnrad-Vorgelegegetriebe. Bei der Kupplung handelt es sich um eine Einscheiben-Trockenkupplung mit Belleville-Feder.
FAHRWERK Damit auch die schärfste Kurve zügig durchfahren werden kann, werden hohe Anforderungen an Fahrwerk und Reifen gestellt. Der Kadett C Coupe mit seinen 155-SR-13 Uniroyal Rallye 280 Radialreifen - auf frisch lackierte Stahlfelgen montiert - stellte mich nie vor Probleme beim Fahrverhalten. Die Technik des Fahrwerks: - Vorderachse: Einzelradaufhängung mit ungleichen Querlenkern (trapezförmiger oberer Lenker, schmaler unterer Lenker mit Ausleger), Schraubenfedern mit linearer Rate, Stabilisator und senkrecht stehenden hydraulischen Teleskop-Stoßdämpfern von Boge (auch Hinterachse) - Hinterachse: Deichselachse mit Zentralgelenk, 2 Längslenker und ein Querlenker, Schraubenfedern mit progressiver Rate - Lenkung: Gedämpfte Zahnstangenlenkung mit Schrägverzahnung, Gitterrohrlenksäule mit Teleskopspindel und Abreißschlitten.
ELEKTRIK Wie schon an anderer Stelle erwähnt, wird beim Kadett C größtes Augenmerk auf Robustheit und Langlebigkeit gelegt. Auch die elektrische Anlage (heutzutage Schwachstelle vieler Autos), deren Herz die wartungsfreie 12V/36Ah-Batterie darstellt, ist ein weiteres Beispiel dafür. Keinerlei überflüssige elektronische Spielereien bedeuten geringe Störungsanfälligkeit. Details: - Drehstrom-Lichtmaschine Bosch 45A - 12 V Batterie-Zündung - Hauptscheinwerfer: 2-Faden-H4-Halogen Lampe (dazu seitlich angebrachte Blinker - ein Facelift gegenüber früheren Baureihen - Bremslichter und 2 Rückfahrscheinwerfer).
SICHERHEIT Bei hohen Geschwindigkeiten und unübersichtlichen Situationen ist ein Wagen gefragt, der Sicherheit ohne Panzercharakter bietet: Das Kadett C Coupe Hierzu gehören moderne sichere Bremsen, stabile Karosserie und Stoßfänger, die einen Aufprall bei niedrigen Geschwindigkeiten schadlos überstehen. Bei der Bremse handelt es sich um eine hydraulische Zweikreis-Vierradbremse mit Bremskraftverstärker. Vorne sind Scheibenbremsen mit festem Bremssattel und 2 gegenüberliegenden Bremskolben eingebaut. Hinten finden sich Simplex Trommelbremsen mit schräg abgestützten Gleitbacken. Die Handbremse wirkt mit Seilzug auf die Hinterräder.
INNENAUSSTATTUNG Mein Coupe verfügt über die L-Ausstattung, was eigentlich nur eine andere Bezeichnung für die Grundausstattung ist (zumindest für Baujahr 1977). Der Wagen ist für 5 Personen zugelassen, die auch bequem Platz finden (hinten allerdings nur bis 1,70m Körpergröße). Vorne bieten zwei ergonomisch geformte, verschiebbare und in der Lehne verstellbare Sitze mit leicht beweglichen Kopfstützen ein hohes Maß an Bequemlichkeit. Automatische Gurte sorgen für Sicherheit. Sportsitzbezüge und ein Lenkradbezug unterstreichen die sportliche Note des Coupe. Das Cockpit besticht durch Funktionalität und Verzicht auf unnötige Spielereien. Auffallend ist das Zweispeichenlenkrad mit integriertem Signalhorn und die 4-Gang-Schaltung. Die Instrumententafel bietet neben dem Tachometer (bis 180 km/h) eine 5+1 stellige Kilometeranzeige, 6 Kontrollleuchten (Blinker, Öldruck, Fernlicht, Warnblinker, Batterie und Handbremse), das Schaltschema des 4-Gang-Getriebes und eine Motor- temperatur- bzw. Tankanzeige. Links neben dem Lenkrad, oberhalb des Sicherungskastens (gut vor Feuchtigkeit geschützt) befinden sich gut erreichbar der Lichtschalter, ein (von mir ergänzter) Tageskilometerzähler und ein ebenfalls nachträglich angebrachtes Thermometer. Rechts neben dem Lenkrad befindet sich ein beleuchteter Zigarettenanzünder mit Ascher (ebenfalls hinten an beiden Seiten). Ein zunächst eingebautes Blaupunktradio mit einem Lautsprecher oberhalb der Mittelkonsole wurde durch ein Watson-Radio mit Kassettenteil (2x25 W Musikleistung) und den dazugehörigen Lautsprechern (3-Wege mit je 50 W Musikleistung) im Heck des Wagens ersetzt. Das Handschuhfach besticht ebenso durch seine Geräumigkeit wie eine Ablage in der Mittelkonsole, die Platz für 16 Musikkassetten bietet. Gut zugänglich in der Mittelkonsole befinden sich die Heiz- und Lüftungsschalter. Das 2-stufige Gebläse sorgt sowohl für einen kalten wie auch für einen warmen Luftstrom - durch Heben wahlweise im Fuß- oder Kopfraum. Zusätzlich sind 2 Frischluftdüsen in der Mitte und an den beiden äußeren Enden des Armaturenbretts angebracht. Der Heizungsschalter ermöglicht ein stufenloses Regulieren der Wärme. Innerhalb von 1 Minute wird die gesamte Luft im Innenraum 3-5mal ausgetauscht (bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h). Dies geschieht durch Lüftungsschlitze in den hinteren Dachpfosten und verdeutlicht die enorme Leistung des Lüftungssystems. Weitere Ausstattungsdetails: - Innenleuchte vorne - abblendbarer Innenspiegel - Make-up Spiegel auf der Beifahrerseite - Sportausßenspiegel - 2-stufiger Scheibenwischer vorne - Scheibenwaschanlage per Fußkontaktpumpe über 2 Düsen
GESCHICHTE DES OPEL KADETT C 1973 Das Licht der Welt erblickte der erste Kadett C im August 1973: Produktionsbeginn mit modernisierter Karosserie (gegenüber dem Vorgängermodell Kadett B). Gebaut werden 2- und 4-türige Limousine und Coupe sowie 3 türiger Caravan und City. Die Luxusversion wird mit rechteckigen Schweinwerfern ausgestattet. Angeschraubte Kotflügel ermöglichen einen problemlosen Austausch. Produktion bis Jahresende: 259.171 Exemplare.
1974 Von nun an wird der Kadett C ständig verbessert. Eine verstärkte Zylinderkopfdichtung beim Typ 12N bringt das Verdichtungsverhältnis auf 7,9:1. Betrieb mit Normalkraftstoff. Produktion bis Jahresende: 256.613 Exemplare
1975 Erweiterte Grundausstattung bei Normalmodellen mit Scheibenbremsen vorn, 13-Zoll-Reifen, Sportschaltung, innenbetätigter Haubenverschluss. Dazu bei L-Versionen heizbare Heckscheibe und 45 Ah-Drehstromlichtmaschine. Ab März: alle Modelle mit Stahlgürtelreifen und verbesserter Scheibenwaschanlage, Vordersitze mit höherer Rückenlehne. Alle Typen mit Bremskraftverstärker; Luxusmodelle mit Automatikgurten und Kopfstützen vorn. Produktion bis Jahresende: 244.061 Exemplare.
 1976 Serienmäßig Automatikgurte vorn, Verbundglas-Frontscheibe auf Wunsch ohne Mehrpreis. Ab August: Leistung des 12 N Motors auf 55 PS angehoben, Vergaser 35 PDSI. Produktion bis Jahresende: 312.573 Exemplare
1977 Im März läuft im Opel-Werk Antwerpen der 1-Millionste Kadett vom Band. Geänderte Frontpartie: höherer Kühlergrill, flache Motorhaube, Rechteckscheinwerfer, vordere Blinker an den Außenkanten. Produktion bis Jahresende: 311.024 Exemplare + meiner!
1978 Alle Versionen mit Blinker neben den Schweinwerfern (vorher unter der Stoßstange) und verstärkten Stoßfängern. Produktion bis Jahresende: 296.354 Exemplare
1979 Ablösung durch Modell Kadett D. Gesamtproduktion Kadett C: 1.588.612 Exemplare.
LITERATUR
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Autor
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Dieter Korp
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Titel
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Opel Kadett C : August '73 bis Juli '79 alle Modelle
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Ort
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Stuttgart
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Verlag
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Motorbuch-Verlag
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Erscheinungsjahr
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[1980]
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ISBN
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3-87943-366-9
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Reihe
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Jetzt helfe ich mir selbst ; 46
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Seitenzahl
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234 (mit zahlreichen Fotos und Plänen)
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Schade, dass es nicht für jeden Wagen solch ein Buch gibt. Bis ins Detail werden hier Zusammenhänge und Arbeitsabläufe beschrieben, z.T. bebildert, so dass man (fast) alles selbst machen kann. Ich habe das Buch oft zur Hand genommen und kann es nur empfehlen.
FILMDOKUMENT Bei diesen kleinen Film samt Lied nicht ernst nehmen - der Text gibt nicht unbedingt die Meinung des Besitzers dieser Homepage wieder... (gefunden bei Youtube). Viel Spaß!
* Der “Strahlende” (aus der nordischen Mythologie / auch Freund und Diener des Gottes Freyr)
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